Wasser marsch. Mit Paludikultur zu einer klimafreundlichen Landwirtschaft auf Mooren? #18

Shownotes

Intakte Moore sind effiziente Kohlenstoffspeicher und damit wahre Klimaschützer. Werden sie für die Land- und Forstwirtschaft entwässert, entweichen immense Mengen an Treibhausgasen in die Atmosphäre. Kann Paludikultur im Spannungsfeld zwischen Landwirtschaft und Klimapolitik eine Alternative bieten?

Weitere Informationen Wenn Deutschland die gesetzten Klimaziele erreichen will, ist es unumgänglich, entwässerte Moorböden wieder zu vernässen. Doch wo bleibt die Landwirtschaft, die die trockenen Moorflächen bisher nutzt? Eine Wiedervernässung bedeutet für landwirtschaftliche Betriebe ein großes Risiko – sie müssen die Bewirtschaftung ihrer Böden und die Vermarktung der Produkte grundlegend umstellen. Dabei gibt Dr. Bärbel Tiemeyer zu bedenken: „Die Moorböden in Deutschland sind sehr ungleichmäßig verteilt. Die ungleiche Betroffenheit der Betriebe macht die Diskussion schwierig.“ Deshalb sind hier konkrete Perspektiven nötig.

In der Paludikultur bauen Landwirtinnen und Landwirte an Moorstandorten Pflanzen an, die Nässe lieben. Dazu gehören zum Beispiel Schilf oder Torfmoose, die als Baustoffe oder Kultursubstrate genutzt werden. Noch gibt es nur wenige Anreize für Landwirtinnen und Landwirte, auf Paludikultur umzusteigen. Das soll sich bald ändern: Pünktlich zum 25-Jahr-Jubiläum der Paludikultur steht das PaludiNetz in den Startlöchern. Es unterstützt innovative Ansätze und Wertschöpfungsketten für die Nutzung nasser Moorböden. Dabei verbindet das Paludinetz Forschung und praxisnahe Projekte zum Moorbodenschutz mit Fragen wie: Ist eine großflächige Umstellung auf Paludikultur realistisch? Welche neuen Wertschöpfungsketten werden gebraucht? Welche politischen Schritte sind dafür nötig? Am Ende soll ein Win-Win für alle stehen: Für Landwirtschaft, Gesellschaft, Wirtschaft und Umwelt.

„Wir möchten diese Moorstandorte weiterentwickeln mithilfe von Wertschöpfungsketten, die im Zuge dieses Projektes entwickelt werden und hoffentlich in zehn Jahren umgesetzt werden.“, sagt Frank Havemeyer. Noch sind wir nicht so weit. Doch er ist positiv gestimmt: „Am Ende des Tages verfolgen wir alle dieselben Ziele: Das Ziel des Klimaschutzes und des Moorbodenschutzes. Jeder Moorlandwirt möchte seinen Grund und Boden schützen, auf dem er wirtschaftet.“ In dieser Folge sind Dr. Bärbel Tiemeyer, Wissenschaftlerin am Thünen-Institut für Agrarklimaschutz und eine der beiden Leiterinnen des PaludiNetzes, und Frank Havemeyer, Geschäftsführer des Landvolk Osterholz und Landwirt, zu Gast. Sie diskutieren, was Paludikultur leisten kann, welche Alternativen es gibt und was betroffene Landwirtinnen und Landwirte brauchen.

Die Gäst*innen:

Dr. Bärbel Tiemeyer leitet die Forschungsgruppe Moore am Thünen-Institut für Agrarklimaschutz und untersucht Treibhausgasemissionen aus organischen Böden.

Frank Havemeyer ist Geschäftsführer des Landvolk Osterholz, Experte für Moorbodenschutz und Interessenvertreter der Landwirtinnen und Landwirte.

Weiterführende Links und Literatur

Foto: Universität Greifswald/Tobias Dahms

Neuer Kommentar

Dein Name oder Pseudonym (wird öffentlich angezeigt)
Mindestens 10 Zeichen
Durch das Abschicken des Formulars stimmst du zu, dass der Wert unter "Name oder Pseudonym" gespeichert wird und öffentlich angezeigt werden kann. Wir speichern keine IP-Adressen oder andere personenbezogene Daten. Die Nutzung deines echten Namens ist freiwillig.